Amedeo Aristei

Einleitung

Friaul-Julisch Venetien hat eine Waldfläche von gut 275.000 Hektar, die sich auf den gebirgigen Teil der Region konzentrieren. Aufgrund klimatischer und morphologischer Gegebenheiten ist das Risiko von Bränden für den Waldbestand sehr hoch. Obwohl die Region an sich niederschlagsreich ist, reduzieren sich die positiven Auswirkungen dessen durch Wind, relative Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung oftmals auf ein Minimum bzw. sind gar nicht mehr gegeben. Infolge der langen Trockenperiode im Jahr 2003 kam es zu zahlreichen Waldbränden. Besonders betroffen war der Karst am Isonzo und bei Triest: 304 Hektar Wald wurden zerstört, was gravierende Umweltschäden zur Folge hatte. Nach diesem Ereignis wurde in Abstimmung mit der regionalen Forstwache ein Notfallplan für Katastrophenschutzeinsätze erstellt, um die Wirksamkeit und Effizienz von Präventions- und Brandbekämpfungsmaßnahmen zu erhöhen.


Der Zivilschutz der Region Friaul-Julisch Venetien

Zu den Aufgaben des regionalen Zivilschutzes gehören die Entgegennahme von Waldbrandmeldungen, deren Überprüfung und – wenn tatsächlich ein Brandfall vorliegt – die Aktivierung des regionalen Brandbekämpfungssystems. Die Leitstelle in der Zivilschutzzentrale in Palmanova koordiniert die verschiedenen Einsatzkräfte vor Ort und fordert Luft- und Bodeneinsätze an; zudem ist sie für die interne und externe Kommunikation sowie die Koordination mit den nationalen Feuerwehren, der Flugeinsatzstelle COAU und dem gesamtstaatlichen Zivilschutzressort zuständig.


Die Freiwilligenorganisationen im Zivilschutz

Die freiwilligen Katastrophenschutzhelfer, die auf die aktive Bekämpfung von Waldbränden spezialisiert sind, sind territorial (auf Gemeindeebene/gemeindeübergreifend) organisiert und erhalten von der Autonomen Region Friaul-Julisch Venetien die entsprechende Ausbildung und Unterstützung.


Die regionale Forstwache

Die regionale Forstwache ist für die Leitung und Koordination bei der Bekämpfung von Waldbränden in der Autonomen Region Friaul-Julisch Venetien zuständig. 250 Personen sind für die Forstwache an verschiedenen Stationen in der Region tätig, um eine effizientere Prävention und Kontrolle von Waldbränden zu gewährleisten.


Die Flugeinsatzstelle des gesamtitalienischen Zivilschutzes

Die Flugeinsatzstelle (COAU) entwickelt Organisationsmodelle und Verfahren für den Einsatz von Flugzeugen der staatlichen Flotte bei der Waldbrandbekämpfung aus der Luft. Zudem konzipiert, plant und realisiert sie die luftverkehrsbezogenen Tätigkeiten im Interesse des nationalen Katastrophenschutzes durch operative Einsätze von Luftfahrzeugen in Italien und im Ausland.


Aktivitäten

Im Kampf gegen Waldbrände sind in Friaul-Julisch Venetien etwa 2.000 Freiwillige aktiv, die in 120 AIB-Teams (AIB= Anti Incendio Boschivo, Waldbrandbekämpfung) organisiert, entsprechend ausgebildet und mit den notwendigen Feuerlöschgeräten und -mitteln ausgestattet sind. In der Region gibt es außerdem Freiwillige Feuerwehren, die als Institution eine lange Historie haben und vor allem in Berggebieten bei Waldbrandeinsätzen tätig werden. Insgesamt können für die Bekämpfung von Waldbränden in der Region rund 2.300 Freiwillige, die auf rund 130 Gebietseinheiten aufgeteilt sind, hinzugezogen werden.

Die leitende und koordinierende Funktion bei der aktiven Bekämpfung von Waldbränden obliegt der regionalen Forstwache (Corpo Forestale). Sie ist für die Leitung der Löscharbeiten zuständig und koordiniert als „Leiter der Löscharbeiten“ (Direttore delle Operazioni di Spegnimento, DOS) alle Einsatzkräfte vor Ort.

Zur Unterstützung der Einsatzkräfte und -fahrzeuge am Boden verfügt die Region Friaul-Julisch Venetien über einen Flugdienst für die Brandbekämpfung mit einmotorigen Hubschraubern vom Typ AS 350 B3 ECUREUIL, die beide mit Lasthaken für Löschkübel („Bambi Buckets“) mit einem Fassungsvermögen von bis zu 1.300 Liter Löschmaterial ausgestattet sind. Die Aktivierung und Kommunikation mit den Einsatzkräften vor Ort wird durch die ganzjährig rund um die Uhr besetzte Leitstelle des Zivilschutzes gewährleistet, an deren gebührenfreie Telefonnummer eventuell gesichtete Zündungen oder Waldbrände gemeldet werden können.


Katastrophenschutzübung „Airplane Crash Karawanken 2019“

Im Rahmen der Übung werden wir zum Einsatzszenario eines Waldbrandes hinzugezogen. Dabei sollen Vertreter aus unserer Region die Funktion von Verbindungskommandanten übernehmen. Eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung des Brandes, der infolge des Flugzeugabsturzes ausbricht, kommt dem italienischen Flugdienst zu, der zur Unterstützung der österreichischen und slowenischen Lufteinsatzkräfte mit einem Canadair-Flugzeug der Flugeinsatzstelle COAU des italienischen Zivilschutzes vor Ort sein wird.


Direttore Amedeo Aristei,Protezione civile della Regione Friuli Venezia Giulia